Freitag, 2. Dezember 2011

Teil 4




Ich konnte die ganze Nacht kein Auge zu machen. Immer schossen mir die 3 Szenen der letzten Tage durch den Kopf: putzen – zu sehen – mitspielen. 
Ob das nicht doch alles viel zu schnell für mich ist? Ich wollte ja eigentlich komplett vom Fußball abtreten, nur noch zu Spielen gehen und jetzt lass ich mich doch wieder hinreißen. Was soll ich machen? Ich hab dem Trainer zu gesagt, wenn ich es doch nicht machen will, schade ich dem Verein, denn die müssten weiter noch nach einem Co-Trainer suchen, mit mir hätten sie ja einen. Auch wenn ich noch unerfahren in diesem Bereich bin, sollten eigentlich die 9 Jahren Fußball fürs erste reichen, auch wenn das hier ein deutlich höheres Level ist. Aber ob ich diese große Belastung durchstehe? Ich bin gerade mal 16 Jahre alt und bin schon so weit in diesem Bereich. Ich hab ja noch nicht einmal meinen Trainerschein, wenn ich weiß, dass dieser Job für mich geschaffen ist, muss ich den ja auch noch machen. So ein großer Stress und dass alles urplötzlich. Oh, man, wo hab ich mich bloß reingerissen. 
Ich kam um 6.50 Uhr am Stern-Center an und alle waren schon versammelt, nur der Trainer fehlte. Doch er kam pünktlich auf die Minute. Dann wurden alle Sachen in den Bus gepackt, welcher uns dann zum Flughafen brachte. Anschließend hieß es aussteigen, Sachen mitnehmen, gemeinsam in die Flughalle marschieren, einchecken, durch die Kontrolle durch und warten bis die Freigabe zum einsteigen in den Flieger genehmigt wurde.

 
Die Mannschaft beim Check-In. 

Die meisten Spieler nahmen, um sich die Zeit zu vertreiben, ihr Laptop vor und schauten sich Videos an, spielten den FUSSBALL MANAGER 10, lasen sich eine Babelsberger Managerstorydurch, die sie vorher auf FM-Arena gefunden und den Text in Word rein kopiert hatten. Der ein oder andere ging zu McDoof, ähh tut mir leid, meinte natürlich McDonald’s und einigen war es so langweilig, dass sie fast einschliefen. Und ich? Ich war immer noch in Gedanken beim Thema, ob es nicht doch zu viel wäre, was ich gerade mache. Dann endlich gaben die Stewardess den Weg frei zum Flugzeug der Reisegesellschafft „SunExpress“. Nachdem wir eingestiegen sind, mussten wir uns wieder das dämliche Gelabber der Stewardess anhören, welches zum Höhepunkt dann noch auf Türkisch war. Wie heißt nochmal „Tschüss“ auf Türkisch? Glaub: „Guele, Guele.“ Naja, seis drum. Dann hörten wir, dass eine Frau das Flugzeug fliegen soll, das kann ja heiter werden. Man merkte aber sofort, das lieber Männer fliegen sollten, denn wie sie das Flugzeug hoch brachte und später wieder zum Landen bringt, war einfach grauenvoll. Sonst war der Flug, welcher um 10:05 los ging, eher ereignislos. Nur, dass es sich herausstellte, das Dietmar beim Schlafen furchtbar Doll schnarcht. Nach einer geraumen Zeit bekam ich davon aber nichts mehr mit, da ich so müde war, dass ich, obwohl ich mir immer noch wegen der Sache Gedanken machte, einschlief. 




Unser Flugzeug. 

Nach zweieinhalb Stunden in Antalya angekommen, mussten wir unsere Pässe vorzeigen, wobei ich meinen natürlich nicht finden konnte. Ich durchsuchte meine Jacke, hab sogar den ganzen Rucksack ausgeräumt, welcher bis oben hin voll war, aber was kam raus? Der Pass ist nicht da! Also schnell zum Flugzeug zurück, „hoffentlich lassen sie mich noch rein“, dachte ich. Zum Glück konnte ich im Flugzeug suchen, zum Unglück jedoch konnte ich nichts finden, also wieder zurück zur Passkontrolle. Und was ich da vorfand... 
Marian Unger: Hey, Henning, suchst du das hier? 
Na, klar, Marian hatte mein Pass. 
Ich: Ähh, ja. Woher hast du den? 
Der lag hier, hast ihn wohl verloren, als du dein Rucksack durchsucht hast. 
Pleiten, Pech und Pannen lässt grüßen. 
Zwar konnte ich mir schon vorstellen, dass er ihn mir wegnahm, als ich schlief, aber das wichtigste war, dass ich ihn hatte. Schon mal schnell die ersten Souvenirs gekauft und dann ging es auf zum Bus, wo schon die ersten Boxen mit Trikots, Bällen und anderen Sachen untergebracht worden. Jeder, auch die Spieler selbst packten an, ich versuchte mich bei einer Box, aber versagte. Ich wollte eine Kiste mit Physiotherapeut Matthias Pefestorff anheben, aber die war so schwer, dass ich sie nur 2 cm anheben konnte und wieder fallen lassen musste. Natürlich auf Kosten der anderen, die wieder lachen mussten und Sprüche wie: „Tja, Henning, Krafttraining ruft!“ (Ümit Ergidi), „Henning hat wohl „Muuuskeln“.“ (Daniel Zacher), „Gewichte warten auf dich, Henning!“ (Nicolas Hebisch) raus hauten. Was mir natürlich super gefiel. 


 


Beim einpacken der Kisten. 

Als dann die Boxen und die Taschen verstaut waren, konnte dann endlich die Busfahrt Richtung Hotel losgehen. Die Fahrt ging ziemlich schnell. Ein paar machten noch ein kleines Schläfchen, welches aber nur knapp 15 Minuten anhielt, denn dann waren wir schon am Hotel angekommen. Ich stieg aus und ich traute meinen Augen nicht, was für ein Hotel. In so einem Hotel war ich noch nie drin gewesen, hab sowas auch nur von außen gesehen und jetzt, dank Fußball, konnte ich mal so ein Hotel von drinnen betrachten und sogar für ganze zehn Tage in darin hausen. Ob mich nicht der Fußball doch interessieren würde? Erst mal abwarten, ich wusste ja auch noch nicht mal, mit wem ich mir ein Zimmer teilen sollte. Wir gingen zum Tresen, wo wir unsere Schlüssel abholen wollten. Manschaftsleiter Marcus Petsch versuchte auf Türkisch sich mit der Rezeptionsdame zu verständigen. 

MP: Merhaba, biz benimle memnuniyetle şu açkı olmak. 
(Hallo, ich würde gerne die Schlüssel haben.) 
ED: Iyi günler, sendika Brabelsbeg, doğru? 
(Guten Tag, Verein Brabelsbeg, richtig?) 
Ähh, Babelsberg, evet. 
(Ähh, Babelsberg, ja.) 
Taman. Burada şu açkı. Bu sayı bulunmak üzerinde. 
(In Ordnung. Hier die Schlüssel. Die Nummern stehen darauf.) 
Sağol. Güle güle. 
(Danke. Tschüss.) 
Eyvallah. 
(Auf Wiedersehen.) 
Die ganze Mannschaft machte ein erstauntes Gesicht, als Herr Petsch wieder kam. 

Was? Habt ihr nicht mitbekommen, dass ich seit dem letzten Trainingslager so fasziniert von der Sprache bin, dass ich privat Unterricht nehme und diesen Sommer eine Sprachreise gemacht hatte? 
Die ganze Mannschaft staunte noch mehr, während dessen ging er von Spieler zu Spieler und gab jedem einen Schlüssel, selbstverständlich auch mir. 
Markus? 
Ja? 
Mit wem soll ich mir ein Zimmer teilen? 
Lass dich überraschen! 
Mit einem Augenzwinkern ging er davon. 
Na da bin ich mal gespannt, was auf mich zukommt, Trainer? Spieler? Hübsches Mädchen? 
Bei diesem Gedanken musste ich einfach grinsen. 
Ich sah auf meinen Schlüssel, Zimmernummer 407. Ich ging einfach der restlichen Mannschaft nach, die musste ja schließlich auch dort untergebracht werden, oder? Ich schaute von Tür zu Tür, Nummer 400, 430, 401, 429, 402, 428, ..., 407, endlich. 


Die Hotelzimmertür 407. 

Ich machte die Tür auf, und? Nichts. Alles ganz normal hergerichtet. 
Aber was Herr Petsch nur meinte? Sollte ich hier alleine im Zimmer bleiben? Aber hier ist doch im Raum ein Doppelbett, was ja nicht ohne Grund darin steht. Was hat das nur zu bedeuten? 
Ich zerbrach mir über diese Aussage nur noch den Kopf, wenigstens war es angenehmer als die andere Geschichte zuvor, was mich den ganzen Flug, bis auf den Schlaf, beschäftigt hat. 
Es klopfte an der Tür... 
Wer kann das nur sein? 
Mein Herz raste als ich in Richtung Tür ging. Sollte das die Überraschung sein?